Zauberhafte Cotswolds

Wer durch die Cotswolds reist, fühlt sich schnell wie in eine andere Zeit versetzt. Die Region im Herzen Englands ist bekannt für ihre sanften Hügel, weiten Schafweiden, liebevoll gepflegten Gärten und Dörfer aus honigfarbenem Kalkstein. Alles wirkt ein bisschen ruhiger, entschleunigt – fast wie aus einem Märchenbuch.

Eines dieser Dörfer hat es mir besonders angetan: Stow-on-the-Wold. Ein Ort mit viel Geschichte, typisch englischem Charme – und einem kleinen Geheimnis, das Fans von Fantasy-Literatur besonders freuen dürfte.


Die Cotswolds – wo England am englischsten ist

Die Cotswolds gelten als Inbegriff des ländlichen Englands – und das mit gutem Grund. Die Region erstreckt sich über fünf Grafschaften (darunter Gloucestershire, Oxfordshire und Warwickshire) und wurde aufgrund ihrer landschaftlichen Schönheit als „Area of Outstanding Natural Beauty“ (AONB) ausgezeichnet – das britische Pendant zu einem Naturpark.

Typisch für die Cotswolds sind:

  • sanfte Hügel (die „wolds“),
  • kilometerlange Trockensteinmauern, die die Weiden einrahmen,
  • alte Schafpfade und Karrenwege,
  • und die berühmten Häuser aus dem warmen, goldfarbenen Kalkstein, der in der Region abgebaut wird.

Im Mittelalter war die Gegend durch den Wollhandel sehr wohlhabend. Die „Cotswold Lions“ – eine lokale Schafrasse mit besonders feiner Wolle – wurden in ganz Europa geschätzt. Der Reichtum jener Zeit spiegelt sich noch heute in den prachtvollen Kirchen und großzügigen Marktplätzen vieler Dörfer wider.

Typische Cotswold-Dörfer wie Bourton-on-the-Water, Bibury, Chipping Campden oder Broadway ziehen jedes Jahr Besucher aus aller Welt an. Und doch gibt es immer wieder ruhige Ecken, verwunschene Gärten und alteingesessene Pubs, in denen man fast allein ist – vor allem, wenn man abseits der Hauptsaison reist.


Stow-on-the-Wold – oben auf dem Hügel

Stow-on-the-Wold ist eines dieser Bilderbuchdörfer, und wie der Name verrät, liegt es hoch oben auf einem Hügel („wold“ bedeutet Hochland). Schon im Mittelalter war Stow ein wichtiger Marktplatz. Noch heute spürt man diese Vergangenheit: Der weitläufige Marktplatz, gesäumt von Steinhäusern und Antiquitätengeschäften, war früher Schauplatz großer Viehmärkte – manchmal mit bis zu 20.000 Schafen!

Stow ist gemütlich und gleichzeitig lebendig: Cafés, kleine Galerien, urige Pubs und charmante Unterkünfte prägen das Ortsbild. Und dann gibt es da noch einen Ort, der ganz besondere Aufmerksamkeit verdient…


Eine Tür wie aus einem Märchen

An der Nordseite der Kirche St. Edward’s, etwas versteckt und leicht zu übersehen, befindet sich eine Tür, die aussieht, als gehöre sie nicht ganz in unsere Welt. Die dicken Holzbalken werden rechts und links von uralten Eiben umrahmt, deren Wurzeln sich mit dem Stein der Kirche zu vereinen scheinen. Wer davor steht, hat schnell das Gefühl, sie könnte sich jeden Moment zu einer anderen Welt öffnen.

Genau dieser Eindruck hat viele inspiriert – und vielleicht auch J.R.R. Tolkien, den berühmten Autor von Der Hobbitund Der Herr der Ringe. Tolkien lebte in Oxford, ganz in der Nähe der Cotswolds, und reiste häufig durch die Region. Es wird vermutet, dass diese Tür ihm als Vorbild für die „Tore von Moria“ gedient haben könnte – ein geheimnisvoller Eingang in seinen berühmten Büchern.

Ob das stimmt? Man weiß es nicht sicher. Aber die Ähnlichkeit ist verblüffend – und der Gedanke, dass dieser friedliche Ort Teil einer solchen literarischen Geschichte sein könnte, macht ihn umso reizvoller.


Ein Ort zum Träumen

Stow-on-the-Wold ist nicht nur ein malerisches Dorf, sondern auch ein Ort voller Geschichten – die echten und die eingebildeten. Vielleicht liegt es an der besonderen Atmosphäre, an der Stille, an der Geschichte, die hier überall spürbar ist. Oder eben an einer Tür, die aussieht, als würde sie direkt in ein Abenteuer führen.


Mein Tipp für deinen Besuch:
Nimm dir Zeit für einen Spaziergang durch den Ort. Entdecke kleine Gassen, stöbere in den Antiquitätengeschäften, gönn dir einen Cream Tea im Tearoom oder ein Ale im Pub – und mach einen Abstecher zur Kirche St. Edward’s. Die berühmte Tür findest du auf der Rückseite. Und wer weiß: Vielleicht hörst du ja leise Flüstertöne aus einer anderen Welt.